- Mehrere oder alle Zähne müssen als System geplant werden
- Funktion und Ästhetik sind nicht isoliert lösbar
- Bisshebung oder Platzgewinn für Non-Prep/Minimal-Prep im Frontbereich
- Bereitschaft zu Diagnostik vor Design
109FIFTY · 03
Full-Mouth: planen, annähern, rekonstruierbar umsetzen
Smile Design. Rekonstruierbarkeit. Klarer Workflow.
Full-Mouth-Rehabilitation plant Form, Funktion und Biss als System – defektorientiert je Zahn. Oft geht es auch um Bisshebung bei Abrasion oder wenig Platz im Frontzahnbereich, um Raum für Non-Prep oder Minimal-Prep zu gewinnen. Smile Design und 3D-Einprobe machen das Ziel vorab sichtbar; Scan, Design (z. B. exocad®), Fräsen und 3D-Druck schaffen eine dokumentierte digitale Referenz.
Eine Full-Mouth-Planung verbindet Zahnform, Biss, Materialien und die gewünschte Gesamtwirkung zu einem System. Zuerst wird der Mensch gelesen – nicht das Produkt. Digitale Erfassung, Design und Fertigung arbeiten mit der chairside Zahntechnik zusammen: Intraoralscan, Design in professionellen Programmen (z. B. exocad®), 5-Achs-Fräsen und 3D-Druck ergeben eine nachvollziehbare digitale Referenz – präziser und besser dokumentiert als klassische Übergabeketten.
109FIFTY-Prinzip
Defektorientierte Planung
Die Planung ist defektorientiert. Jeder Zahn erhält nur diejenige Ausdehnung, die sein eigener Befund erfordert.
Europäische Konsensusliteratur zu schwerem Zahnverschleiß priorisiert Diagnose und Ursachenklärung vor Restauration; OVD-Konsensusliteratur stützt strukturierte funktionelle Einordnung – ohne Zeit- oder Ergebnisgarantie.
109FIFTY-Prinzip – ergänzt um verifizierte Konsensusquellen (Loomans, Goldstein).
109FIFTY-Prinzip
Bisshebung und Platz für Non-Prep
Viele Full-Mouth-Fälle entstehen nicht nur aus ästhetischem Wunsch, sondern aus fehlendem Raum: Abrasionsgebiss, angeboren wenig Platz oder eng stehende Frontzähne. Eine geplante, dezente Bisshebung – oft mit Tabletops im Seitenzahnbereich – kann Platz schaffen, damit im sichtbaren Bereich Non-Prep oder selektive Minimal-Prep möglich bleibt.
So wird Full-Mouth zur Voraussetzung für substanzschonende Veneers – nicht zum Selbstzweck der Maximalversorgung.
109FIFTY-Prinzip
Smile Design – kurzer Umriss
Smile Design macht ein sichtbares, vergleichbares und dokumentierbares Ziel vorab sichtbar: standardisierte Fotografie, Scan, virtuelle Aufstellung und 3D-Einprobe. Zahnfarbe, Form und Lippenrelation werden gemeinsam beurteilt – nicht aus einer Farbskala „blind“ gewählt.
Das Grundprinzip bleibt: Ziel zuerst zeigen. Klassisches Wax-up/Mock-up war oft aufwendig und ungenau; digitale 3D-Simulation setzt dasselbe Prinzip präziser und nachvollziehbarer um. Es ersetzt keine Untersuchung.
109FIFTY-Prinzip
Mensch und Maschine
Scan, Design (z. B. exocad®), Fräsen und Druck unterstützen Präzision, Übertragung und Nachvollziehbarkeit. Die digitale Kette macht Planung und Umsetzung stärker als rein analoge Übergaben: Daten bleiben vergleichbar, Schritte dokumentierbar, Wiederaufnahme bei Reparaturbedarf oder Erweiterung klarer.
Künstlerisches Zahntechnikverständnis – Schichtung, Transluzenz, Charakterisierung – macht die Versorgung individuell. Digitale Werkzeuge ersetzen weder Diagnose noch die chairside Abstimmung am Patienten.
109FIFTY-Prinzip
Gemeinsame Abstimmung bei komplexen Rehabilitationen
Bei komplexen Rehabilitationen werden funktionelle Vorgaben, ästhetisches Ziel und zahntechnische Umsetzung früh gemeinsam abgestimmt. Die Zahntechnik erhält den Auftrag nicht nur als Datei, sondern aus der gemeinsamen Klärung mit dem Patienten – Wunsch, Mimik und Grenzen werden chairside verstanden.
Ein solcher Gesamtentwurf lässt sich nicht allein über einzelne Dateien oder einen klassischen Laborauftrag vermitteln.
Indikation
Wann es passen kann.
Und wann nicht.
- Erwartung an garantierte Haltbarkeit ohne Befund und Pflege
- Unbehandelte Entzündungen oder ungeklärte Funktionsstörungen
- Zähne rundherum abschleifen „fürs Labor“, statt Substanzerhalt
Ablauf
Workflow
- 01
Befund & Planung
Zähne, Biss, Funktion, Mimik/Lippenwirkung und Farbziel zusammenführen – defektorientiert je Zahn; ggf. Bisshebung für Platzgewinn planen.
- 02
Gemeinsam verstehen
Patient, Zahnarzt und Zahntechniker klären Zieldefinition und Grenzen der Veränderung – die Zahntechnik erhält den Auftrag aus dieser gemeinsamen Klärung, nicht nur per Datei.
- 03
Smile Design & 3D-Einprobe
Sichtbares, vergleichbares und dokumentierbares Ziel vor irreversiblen Schritten; Wirkung in Mimik und Sprache in der 3D-Simulation prüfen.
- 04
Umsetzen und nachsorgen
Klinische Umsetzung nach individueller Planung; Funktion und risikobasierte Pflege; digitale Referenz für Nachvollziehbarkeit nutzen.
Material & Technik
Werkstoffe und Daten
- Definitive Restaurationen im Sinne der Philosophie als Keramik geplant – i. d. R. Lithiumdisilikat (z. B. IPS e.max®), bei Implantaten oft Zirkonoxid
- Digitale Kette: Intraoralscan → Design (z. B. exocad®) → 5-Achs-Fräsen / 3D-Druck als dokumentierte Referenz
- Hybridmaterialien für 3D-Simulationen; individuelle Schichtung und Oberflächenarbeit an der definitiven Keramik
Grenzen und Einordnung
Was zu beachten ist.
- Funktion und Ästhetik müssen gemeinsam geplant werden – isolierte „nur Front“-Lösungen bleiben oft unstabil.
- Ohne Diagnostik und klare Zieldefinition steigt das Risiko unerwünschter Kompromisse.
Wissen
Häufige Fragen.
Was bedeutet defektorientierte Planung?+
Jeder Zahn erhält nur diejenige Ausdehnung, die sein eigener Befund erfordert. Das ist ein 109FIFTY-Prinzip, ergänzt um Konsensusliteratur zu Verschleiß und okklusaler Dimension.
Was bringt eine digitale Referenz?+
Scan-, Design- und Fertigungsdaten machen Planung und Umsetzung nachvollziehbar und vergleichbar – von der 3D-Einprobe bis zur definitiven Keramik. Das stärkt Präzision und Dokumentation; es ersetzt keine Untersuchung und keine chairside Feinanpassung.
Warum reicht ein Laborauftrag allein nicht?+
Bei komplexen Rehabilitationen werden Funktion, ästhetisches Ziel und Umsetzung früh gemeinsam abgestimmt. Die Zahntechnik erhält den Auftrag aus dieser Klärung mit dem Patienten – Wunsch und Mimik werden chairside verstanden, nicht nur über einzelne Dateien oder einen klassischen Laborauftrag.
- Konsensus
[loomans2017]Loomans B et al. Severe tooth wear: European consensus statement on management guidelines. J Adhes Dent. · DOI 10.3290/j.jad.a38102 · PMID 28439579 ↗ - Konsensus
[goldstein2021]Goldstein G, Goodacre C, MacGregor K. Occlusal vertical dimension: best evidence consensus statement. J Prosthodont. · DOI 10.1111/jopr.13315 · PMID 33783090 ↗ - Systematische Übersicht
[siqueira2021]Siqueira R et al. Intraoral scanning reduces procedure time and improves patient comfort: systematic review. Clin Oral Investig. · DOI 10.1007/s00784-021-04157-3 · PMID 34568955 ↗
Hinweis
Mögliche Behandler — keine Empfehlung
Ob und wie behandelt wird, entscheidet allein der jeweilige Behandler nach Untersuchung — nicht 109FIFTY. Die Nennung von MEDIKUSS und MEDISMILE ist ein faktischer Hinweis auf mögliche Behandler mit Konzept-Erfahrung, keine Werbung und keine Empfehlung.